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Jule Serway

Bestattungsfachkraft
22 Jahre

21. November 2012 Jule Serway

Jules Gespräch

8. November 2012 Jule Serway

Der Wert des Verabschiedens

Wie wertvoll ist es, einen geliebten Menschen im Sterben begleiten zu können bis zum Schluss, ganz bewusst und in aller Ruhe.
Wie wertvoll ist es, wenn man Zeit hat noch einmal alles zu sagen, was man sich zuvor vielleicht nie zu sagen wagte und was man schon immer einmal loswerden wollte.
Wie wertvoll ist es, wenn man die Möglichkeit hat schließlich „Leb wohl!“ zu sagen, die Möglichkeit hat zu sagen „Du hast es geschafft, du kannst jetzt loslassen, du kannst nun gehen. Es ist okay.“

Das ist wohl eines der wertvollsten Dinge auf der ganzen Welt!

Vor nicht allzu langer Zeit wurde ich mit dem unfassbaren Schicksal einer Familie konfrontiert.
Diese Familie hatte nicht die Gelegenheit all das oben beschriebene zu tun. Zumindest nicht, als ihr Liebster noch am Leben war.
Es passierte von jetzt auf nachher, durch ein unfassbares Unglück. Von einer Minute auf die Nächste war er nicht mehr in ihrem Leben.
Der Ehemann und Vater, der Sohn und Schwiegersohn, der Bruder, Schwager und Onkel.
Auf einmal war er nicht mehr da.

Mit einem solchen Schicksal konfrontiert, erscheinen einem die eigenen Sorgen und Probleme auf einmal so belanglos, ja fast schon lächerlich..
Wir sollten wirklich jeden Tag dankbar dafür sein unsere Lieben um uns haben zu können und ihnen das immer wieder deutlich machen und sagen.

Denn nicht immer haben wir die Gelegenheit, oder sollte ich vielleicht besser sagen das Glück „Leb wohl!“ zu sagen, die Möglichkeit zu sagen „Du hast es geschafft, du kannst jetzt loslassen, du kannst nun gehen. Es ist okay.”

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22. August 2012 Jule Serway

Sterben mal anders…

Der Tod kann auch freundlich kommen,
zu Menschen, die alt sind,
deren Hände nicht mehr festhalten wollen,
deren Augen müde werden,
deren Stimme sagt:
Danke, es ist genug.
Das Leben war schön.

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12. Juli 2012 Jule Serway

Memento = Bedenkt

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich den Tod entlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr,
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

(Mascha Kaleko)

 

Es sind nun gut drei Wochen seit meinem Gespräch vergangen…
Als in in Düsseldorf auf der Palliativstation ankam war ich unglaublich nervös und aufgeregt.
Ich wusste nicht was genau auf mich zukommt. Oder besser gesagt WER.
So wartete ich… Zwischendurch hatte ich verschiedene Gespräche mit den Projektleitern und Schwestern.
Ich begegnete auch zwei Patienten und deren Angehörigen. Unwissentlich auch jenem Patient, mit dem ich später das Gespräch führen sollte.
Als es dann eigentlich Zeit war für mein Gespräch wurde mir mitgeteilt, dass es eine Veränderung gibt:
Der Zustand meines eigentlichen Gesprächspartners hatte sich verschlechtert, sodass das Gespräch mit ihm nicht stattfinden konnte.
Dafür erklärte sich seine Ehefrau bereit mit mir zu sprechen. Und dann war es auch schon so weit.
Ich traf eine Frau, die mich in den ersten Sekunden unserer Zusammentreffens sofort faszinierte. Eine Ehefrau und Mutter.
Eine Frau, voller Kraft, Stärke und Liebe zu ihrem sterbenskranken Mann und ihren beiden gemeinsamen Söhnen.
Eine Frau, die so unglaublich tapfer mit dem Schicksal ihres Mannes und so auch dem Schicksal ihrer Familie umging, dass es mich sprachlos machte.
Sie war so offen, so ehrlich und zwischendurch bemerkte ich ihren Schmerz und die Traurigkeit, die sich unter ihrer Kraft und offenen Art versteckten.
Wir redeten eine ganze Weile..
Wie war es, als sie die Diagnose bekamen? Wie ging es weiter? Was fühlt man, wenn man weiß, dass der Ehemann und Vater nicht mehr lange lebt? Haben sie sich auch schon Gedanken über die Beerdigung gemacht? Wie stellt sie sich vor, geht es nach dem Tod ihres Mannes weiter? ..
Und die Antworten die bekam lösten die verschiedensten Gefühle bei mir aus: Traurigkeit, Wut, Respekt, Ehrfurcht, Herzlichkeit, Verbundenheit aber vor allem Bewunderung. Bewunderung vor dieser Frau!!!

Ein paar Tage nach unserem Gespräch bekam ich eine Nachricht, dass ihr Mann nun friedlich in ihren Armen eingeschlafen ist.

Und seit diesem Tag, nein, seit unserem Gespräch denke ich immer wieder an das Erlebte mit ihr zurück und möchte mich auch auf diesem Weg noch einmal von ganzem Herzen für die Offenheit und das Vertrauen was mir entgegengebracht wurde bedanken! Das ist unbeschreiblich wertvoll und eine Erfahrung die ich wohl nie mehr in meinem Leben vergessen werde! Vielen Dank!

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14. Juni 2012 Jule Serway

Nichts Neues für mich?

Mein Name ist Jule, ich bin 22 Jahre alt und von Beruf Bestattungsfachkraft.

Das heißt:
Ich kümmere mich um die Gestaltung und Organisation von Trauerfeiern/Beerdigungen, um die hygienische Versorgung und Einbettung von Verstorbenen, gestalte Todesanzeigen, Danksagungen und Trauerdrucksachen und spreche allem Voran natürlich auch mit den Angehörigen des Verstorbenen.

“Für dich ist das doch quasi dein Arbeitsalltag?“ ist eine häufige Reaktion, wenn ich anderen Menschen von meiner Teilnahme an diesem Projekt erzähle.

Allerdings ist es das nicht. Wenn ich in meinem täglichen beruflichen Leben mit Angehörigen spreche steht neben dem trauerpsychologischen Aspekt doch meist die Beratung, Organisation und Unterstützung der erforderlichen Tätigkeiten und Erledigungen im Vordergrund. Natürlich spricht man auch über die Gefühle und Ängste der Angehörigen, soweit diese sich öffnen, und versucht ihnen zu helfen, sie zu unterstützen.

Und dennoch ist es nicht mein Arbeitsalltag mit sterbenden Menschen und deren Angehörigen zu sprechen. Allein die Ausgangssituationen sind ganz verschieden.
In meinem Beruf habe ich in den meisten Fällen vor dem Eintritt des Sterbefalls keinen Kontakt zu der sterbenden Person. Die Angehörigen kommen auf uns zu, wenn der Sterbefall bereits eingetreten ist, oder ab und zu auch schon dann, wenn der Tod des Liebsten absehbar ist und sie sich vorab schon um die zahlreichen Formalitäten kümmern möchten. Oftmals aber tritt der Tod des Angehörigen völlig überraschend und unerwartet ein, sodass die Angehörigen keine Möglichkeit hatten sich darauf vorzubereiten, geschweige denn sich zu verabschieden und noch einmal zu sagen, was sie immer sagen wollten, aber doch zurückgehalten haben.

Im Projekt dagegen treffen wir auf einen Menschen, der weiß, dass er sterben wird und das in absehbarer Zeit. Auch die Angehörigen wissen darum und können sich so gut es eben geht auf diese Situation und den Abschied vorbereiten. Man macht sich bewusst, dass das Ende nah ist, sehr nah, greifbar.

Und dies war auch eine große Motivation für mich, mich für das Projekt zu bewerben.
Ich sehe es als große Chance, sowohl privat als auch beruflich, mir einen zweiten Blickwinkel auf das Thema Sterben und Tod zu ermöglichen.
Mit dem Tod komme ich klar. Er gehört zu meinem Alltag. Er ist ein fester Bestandteil meines Lebens und durch die tägliche Konfrontation mit dem Thema, habe ich auch keine Angst vor dem Tod.
Das Sterben ist für mich jedoch eher noch fremd.
Und so ist das Projekt eine gute Möglichkeit näher an das Thema Sterben heran zu kommen und mich damit intensiv auseinander zu setzen.
Um mich besser kennen zu lernen und auch um die Angehörigen in meinem Berufsleben noch besser verstehen zu können.

Dafür bin ich sehr dankbar!

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