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Jane Bergmann

Psychologie-Studentin
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26. November 2012 Jane Bergmann

Janes Gespräch

20. Juni 2012 Jane Bergmann

Hilde Domin – Jeder, der geht

Jeder, der geht

belehrt uns ein wenig

über uns selbst.

Kostbarer Unterricht

an den Sterbebetten.

Alle Spiegel so klar

wie ein See nach großem Regen,

ehe der heutige Tag

die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,

nie wieder.

Was wüssten wir je ohne sie?

Ohne die sicheren Waagen,

auf die wir gelegt sind,

wenn wir verlassen werden.

Diese Waagen,

ohne die nichts sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,

wir vergessen es.

Und sie?

Sie können die Lehre nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner

der nächste Unterricht?

So hell,

so deutlich,

dass es gleich dunkel wird.

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Was erwartet mich da wohl in ein paar Tagen? Beziehungsweise wer? Und wie wird unsere Begegnung verlaufen? Auf wie viel davon kann ich mich vorbereiten?  Ich meine, ich kann doch meine Reaktionen nicht planen… Wäre es überhaupt gut, einen Plan machen zu wollen? Ich kann mir auf jeden Fall immer wieder meine Intention vor Augen führen: Ich will mein Gegenüber kennenlernen, will zuhören, ich will verstehen! Und mehr Plan braucht es wahrscheinlich nicht. Trotzdem bin ich mittlerweile richtig aufgeregt!

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7. Juni 2012 Jane Bergmann

gefühlvoll vernünftig?

Was passiert mit mir, jetzt, ein paar Tage nach dem Workshop-Wochenende?

Meine Gedanken kehren immer wieder zurück zu den Eindrücken und Gefühlen, die mir an diesem Wochenende begegnet sind.

Unter anderem war da das Gefühl, dass die Nähe zum Tod bei mir irgendwie die Gewichtungen verschiebt. Jemandem in der Intimität seines Sterbens zu begegnen, lässt mich hinterfragen: Wieso reagiert man bei Kleinigkeiten so oft über? Das Lebensende betrachtend wirken sie noch kleiner als klein, geradezu nichtig. Wieso also? Wäre es nicht viel sinnvoller, entspannter, ja vielleicht sogar gesünder, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen? Überspitzt gesagt weil es irgendwann ja sowieso keine Bedeutung mehr hat und man sich umsonst aufgeregt hat? Wäre es also nicht besser, an manchem Punkt einfach vernünftig zu sein und sich nicht in ein Chaos aus Emotionen zu stürzen?

Aber geht dieses Denken dann nicht fast ein bisschen ins Stoische? Nämlich kurz, dass Triebe und Gefühle nur verletzlich machen? Dass die Vernunft die Grundlage und Norm des Lebens ist? Und dass derjenige glücklich ist, der sich nicht anrühren lässt, weil er dann keine Enttäuschungen erfahren kann?

Und ich erkenne mich in einem Punkt wieder: Ich habe in meiner Überlegung nämlich auch gerade eine Rangfolge festgesetzt, die Vernunft über die Gefühle.

Das erschreckt mich dann gleichzeitig, weil mir der stoische Ansatz eigentlich schon in der Schule widerstrebt hat:  Für mich sind diese ganzen Irrungen und Wirrungen, die (an manchem Punkt vielleicht übersteigerten) Emotionen der Zauber des Lebens! Wie langweilig, wie berechenbar wäre es sonst? Wo bleibt das Risiko, wo der Nervenkitzel? Wie soll man glücklich werden, ohne sich in Gefühlen verlieren zu dürfen? Egal ob Angst, Wut, Zuneigung oder Freude.

Wieso bin ich gerade also in ein irgendwie stoisch-angehauchtes Denken gerutscht?

Ich glaube, dass der Blick auf den Tod “erdet”. Ja, dass ein paar Tropfen Vernunft nicht schaden. Dass es bestimmt ratsam ist, sich manchmal selbst zu polen nach dem Motto “Reg dich nicht so auf, in ein paar Jahren wirst du drüber lachen!” Da ist etwas Wahres dran. Und trotzdem tut es eben auch manchmal einfach sowas von gut, wegen einem Hauch von nichts zu explodieren! Ich glaube, dass es gut ist, der eigenen Endlichkeit zu begegnen. Und auch, bedacht an manche Situationen heranzugehen. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Weil wer will schon die Zeit, die er hat, ganz ohne Würze verleben?

Diese Balance will ich gerne finden, die Balance aus Vernunft und Gefühl. Gleichzeitig merke ich aber, wie ich schon wenige Tage nach diesem Schlüsselerlebnis wieder in den Alltag „abrutsche“. Jetzt steht im Vordergrund, wann ich morgen aufstehen muss, wie viel Uhr ich wo erwartet werde, wie ich dorthin komme. Die Gewichtung meines Lebens fokussiert wieder das „Jetzt“. Trotzdem will ich versuchen, mir ab und zu die Zeit zu nehmen, um an meinem Fokus mal ein bisschen zu drehen und so den Gedanken, der mir vor ein paar Tagen begegnet ist, aufrecht zu erhalten. Nämlich einen Gedanken, der mich doch sehr berührt.

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4. Juni 2012 Jane Bergmann

1 junger Mensch

Zu wissen, dass mein Gespräch mit einem sterbenden Menschen in genau 15 Tagen stattfinden wird, macht mir nochmal so klar, was für eine intensive, aufregende und große Aufgabe da auf mich zukommt. Das feststehende Datum macht gerade alles so greifbar, so real!

Und es macht mir bewusst, was für ein beachtliches Stück Weg wir mit dem Projekt schon gegangen sind:

Wenn man bedenkt, dass wir vor wenigen Wochen noch Bewerber waren und einander komplett fremde 30 junge Menschen… Und wenn man bedenkt, dass wir alle unseren (teils weiten) Weg aus den verschiedensten Ecken Deutschlands erst zur Auftaktveranstaltung nach Witten und dann zum Workshop-Wochenende nach Düsseldorf gefunden haben! Und dass an diesem Wochenende aus 30 einzelnen jungen Menschen (zumindest aus meiner Sicht) durch das gemeinsam Erlebte tatsächlich 30 zusammengehörige Projektteilnehmer geworden sind… Ja wenn man das alles bedenkt, dann ist es irgendwie einfach unglaublich!

Danke für die Chance, an diesem Projekt teilnehmen zu dürfen, Danke für die tollen (bisherigen sowie noch kommenden) Begegnungen, Danke für das bereichernde Wochenende!

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