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Jane Bergmann

Psychologie-Studentin
21

7. Juni 2012

gefühlvoll vernünftig?

Was passiert mit mir, jetzt, ein paar Tage nach dem Workshop-Wochenende?

Meine Gedanken kehren immer wieder zurück zu den Eindrücken und Gefühlen, die mir an diesem Wochenende begegnet sind.

Unter anderem war da das Gefühl, dass die Nähe zum Tod bei mir irgendwie die Gewichtungen verschiebt. Jemandem in der Intimität seines Sterbens zu begegnen, lässt mich hinterfragen: Wieso reagiert man bei Kleinigkeiten so oft über? Das Lebensende betrachtend wirken sie noch kleiner als klein, geradezu nichtig. Wieso also? Wäre es nicht viel sinnvoller, entspannter, ja vielleicht sogar gesünder, sich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen? Überspitzt gesagt weil es irgendwann ja sowieso keine Bedeutung mehr hat und man sich umsonst aufgeregt hat? Wäre es also nicht besser, an manchem Punkt einfach vernünftig zu sein und sich nicht in ein Chaos aus Emotionen zu stürzen?

Aber geht dieses Denken dann nicht fast ein bisschen ins Stoische? Nämlich kurz, dass Triebe und Gefühle nur verletzlich machen? Dass die Vernunft die Grundlage und Norm des Lebens ist? Und dass derjenige glücklich ist, der sich nicht anrühren lässt, weil er dann keine Enttäuschungen erfahren kann?

Und ich erkenne mich in einem Punkt wieder: Ich habe in meiner Überlegung nämlich auch gerade eine Rangfolge festgesetzt, die Vernunft über die Gefühle.

Das erschreckt mich dann gleichzeitig, weil mir der stoische Ansatz eigentlich schon in der Schule widerstrebt hat:  Für mich sind diese ganzen Irrungen und Wirrungen, die (an manchem Punkt vielleicht übersteigerten) Emotionen der Zauber des Lebens! Wie langweilig, wie berechenbar wäre es sonst? Wo bleibt das Risiko, wo der Nervenkitzel? Wie soll man glücklich werden, ohne sich in Gefühlen verlieren zu dürfen? Egal ob Angst, Wut, Zuneigung oder Freude.

Wieso bin ich gerade also in ein irgendwie stoisch-angehauchtes Denken gerutscht?

Ich glaube, dass der Blick auf den Tod “erdet”. Ja, dass ein paar Tropfen Vernunft nicht schaden. Dass es bestimmt ratsam ist, sich manchmal selbst zu polen nach dem Motto “Reg dich nicht so auf, in ein paar Jahren wirst du drüber lachen!” Da ist etwas Wahres dran. Und trotzdem tut es eben auch manchmal einfach sowas von gut, wegen einem Hauch von nichts zu explodieren! Ich glaube, dass es gut ist, der eigenen Endlichkeit zu begegnen. Und auch, bedacht an manche Situationen heranzugehen. Aber eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Weil wer will schon die Zeit, die er hat, ganz ohne Würze verleben?

Diese Balance will ich gerne finden, die Balance aus Vernunft und Gefühl. Gleichzeitig merke ich aber, wie ich schon wenige Tage nach diesem Schlüsselerlebnis wieder in den Alltag „abrutsche“. Jetzt steht im Vordergrund, wann ich morgen aufstehen muss, wie viel Uhr ich wo erwartet werde, wie ich dorthin komme. Die Gewichtung meines Lebens fokussiert wieder das „Jetzt“. Trotzdem will ich versuchen, mir ab und zu die Zeit zu nehmen, um an meinem Fokus mal ein bisschen zu drehen und so den Gedanken, der mir vor ein paar Tagen begegnet ist, aufrecht zu erhalten. Nämlich einen Gedanken, der mich doch sehr berührt.

Ein Kommentar


Hallo Jane, Deine Zeilen haben mich sehr angerührt. Seit ca. 2 Jahren begleite ich meine jetzt 92jährige Mutter beim Älterwerden, sie hat Schlaganfall und Gehirnblutungen hinter sich, ich werde auch mit meiner Endlichkeit konfrontiert und bin dankbar dafür. Wichtig ist für mich Menschen, gute FreundInnen zu haben mit denen ich darüber sprechen kan.
Herzlichen Gruss
Norbert

14. Juni 2012 09:00

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