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Jane Bergmann

Psychologie-Studentin
21

20. Juni 2012

Hilde Domin – Jeder, der geht

Jeder, der geht

belehrt uns ein wenig

über uns selbst.

Kostbarer Unterricht

an den Sterbebetten.

Alle Spiegel so klar

wie ein See nach großem Regen,

ehe der heutige Tag

die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,

nie wieder.

Was wüssten wir je ohne sie?

Ohne die sicheren Waagen,

auf die wir gelegt sind,

wenn wir verlassen werden.

Diese Waagen,

ohne die nichts sein Gewicht hat.

Wir, deren Worte sich verfehlen,

wir vergessen es.

Und sie?

Sie können die Lehre nicht wiederholen.

Dein Tod oder meiner

der nächste Unterricht?

So hell,

so deutlich,

dass es gleich dunkel wird.

Ein Kommentar


Liebe Jane,

dass du dich, zu Beginn der “Gaudeamus-igitur-StudentInnenzeit” mit deiner Endlichkeit beschäftigst, beeindruckt mich in doppeltem Sinne.

1.) Es ist gut, dass du dich mit dem Sinn, dem Ziel und damit auch mit dem Ende deines Leben, also mit dem Tod beschäftigst.
2.) Ich bin gleichzeitig etwas in Sorge gewesen, weil ich bei dir zuerst die andere Seite unserer menschlichen Existenz, die Berufung zur Freude, zur Lust und zu unkontrolliertem Überschwang der Gefühle vermisst hatte.

Das ändert sich inzwischen, wie ich an deiner kritischen Auseinandersetzung mit der stoischen Grundhaltung der Unerschütterlichkeit bemerkt habe.

Dem Gedicht von Hilde Domin mag ich daher noch zwei hinzufügen:

Entdeckung an einer jungen Frau
Bertold Brecht

Des Morgens nüchterner Abschied, eine Frau
Kühl zwischen Tür und Angel, kühl besehn.
Da sah ich: eine Strähn in ihrem Haar war grau
Ich konnt mich nicht entschließen mehr zu gehn.

Stumm nahm ich ihre Brust, und als sie fragte
Warum ich, Nachtgast, nach Verlauf der Nacht
Nicht gehen wolle, denn so war’s gedacht
Sah ich sie unumwunden an und sagte:

Ist’s nur noch eine Nacht, will ich noch bleiben
Doch nütze deine Zeit; das ist das Schlimme
Daß du so zwischen Tür und Angel stehst

Und laß uns die Gespräche rascher treiben
Denn wir vergaßen ganz, daß du vergehst.
Und es verschlug Begierde mir die Stimme.

Verwandte
Siegfried Müller

Der Tod ist ein Bruder der Zeit
und beide Geschwister des Glücks.
Leidlose Langeweile
Bleibe den Ewigen!

Für ein erfülltes Leben wünsche ich dir eine gute Mischung menschlicher Erfahrungen, eine jegliche zu ihrer Zeit. Denn: Nichts ist ohne sein Gegenteil wahr. (M. Walser)

Siegfried Müller

28. Juni 2012 10:27

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