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Stine

Masterstudentin Health Sciences

28. Juni 2012

Zwei Wochen sind vergangen!

Mittlerweile ist seit meinem Gespräch eine Zeit von genau zwei Wochen vergangen und ich frage mich gerade jetzt, was wird die wunderbare Person, die ich kennenlernen durfte, wohl jetzt gerade machen?

Wird Sie sich am Wochenende wieder mit ihren Freundinnen zum Kartenspielen treffen oder kommen Sie ihre Kinder und Enkelkinder besuchen?

Was mich aber meisten interessiert, ist die Frage, wie geht es ihr? Sind ihr Gesundheitszustand und ihr Wohlbefinden ähnlich dem von vor zwei Wochen?

Es ist für mich unfassbar, noch nie habe ich einen Menschen kennengelernt, der mich innerhalb von einer Stunde Kommunikation in einer solchen Weise geprägt hat. Ich frage mich auch heute noch, was hat sie mir gegeben, dass es ein Teil von mir geworden ist?

Die Suche nach einer Antwort hat vor zwei Wochen begonnen….

Ihre Worte, die sie mir nahe brachte und vor allem ihre Lebensfreude, sind Teil von meinem Leben geworden und schwirren mir in Momenten der Ruhe immer und immer wieder durch den Kopf. Ich erinnere mich noch sehr gut an unser Aufeinandertreffen. Bevor ich ihr Zimmer in dem Hospiz betrat, habe ich sie kurz durch einen Türspalt sehen können. Sie war trotz ihres Alters von 75 Jahren schön und sie sah so erholt aus. Ihre positive und lebensfrohe Ausstrahlung war für mich unübersehbar. Als ich den Raum betrat, haben wir uns schüchtern aber doch herzlich angelächelt und ich wusste, die nächsten Minuten, Stunden werden eine Erfahrung sein, die mein Leben prägen wird.

Trotz ihrer Krankheit haben wir viel gelacht, mit Wasser angestoßen, aber auch ab und an einmal geschwiegen und sogar geweint. Obwohl wir viel über das Lebensende und die damit verbunden Ängste gesprochen haben, habe ich das Gefühl gehabt, dass diese Frau auf ein glückliches und erfülltes Leben zurückblickt. Wenn ich über das Gespräch nachdenke, spüre ich, wie die positive Energie immer noch durch meinen Körper fließt.

Die Frage, die ich mir heute stelle ist, hat sich meine Angst vor dem Tod aufgrund des Gesprächs mit der Frau verändert?

Ganz klar kann ich sagen, dass meine Angst nicht geringer oder stärker geworden ist. Der Tod ist und bleibt das einzige Element im Leben der Menschen, das nicht durch den Menschen beherrschbar ist. So hart wie es klingt, der Tod ist ein Teil eines jeden Lebens, er ist die Realität in der unser aller Leben enden wird. Ich, niemand, weiß, was uns erwartet.

Jedoch ist ein anderer für mich sehr bedeutender Schritt geschehen, meine Einstellung zu dem Tod hat sich verändert. In mir hat sich das Bewusstsein darüber verstärkt, dass die Endlichkeit ein Teil meines Daseins ist, mit der ich mich bis dato nicht aktiv auseinandergesetzt habe.

Noch wichtiger und bedeutender ist für mich die Frage, was bedeutet diese Erkenntnis für mich und mein Leben?

Wenn ich mir diese Frage stelle, muss ich immer an die Antwort meiner Gesprächspartnerin auf die Frage „Was haben Sie in Ihrem Leben geändert, als Sie von der Diagnose erfahren haben?“ denken. Sie sagte „Nichts, außer dass ich in manchen Situationen ein wenig egoistischer geworden bin.“. Ich musste bei ihrer Aussage schmunzeln, wusste aber gleichzeitig und weiß auch heute noch, dass keine andere Aussage eine größere persönlichere Lebenszufriedenheit und Glück hätte widerspiegeln können.

Wie hat Hermann Hesse so schön gesagt:

Das Glück ist ein wie, keine was,

ein Talent, kein Objekt.

Obwohl Sie dieses Zitat von Herman Hesse wohl nicht kannte, hat sie, aus ihren Erzählungen schlussfolgernd, ihr Leben genauso gelebt. Sie hat ihre Zeit mit den Menschen verbracht, die sie liebt, hat ihr Leben so gestaltet, wie sie es sich wünscht und hat für sich selber vollkommene Zufriedenheit und Glück erfahren. Dieser Gedankengang und dieses Lebensverständnis einer mir bis vor zwei Wochen unbekannten Frau ist das, was ich in meinem Leben immer in mir tragen und niemals vergessen werde.

Auf der Suche nach einer Antwort, was das Schlüsselelement des Gesprächs darstellt, das mich gedanklich heute immer noch fesselt, bin ich nun einen Schritt weiter gekommen.

Ich denke, dass wir uns alle darüber bewusst sein sollten, dass wir nur einmal leben und wir auch nur einmal die Chance haben, unser Leben an unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen auszurichten. Die vergangene Zeit zurückzuholen, das ist nicht möglich. Nichts desto trotz weiß jeder von uns, dass im Leben nicht alles, wie geplant verläuft. Vor dem Hintergrund, dass unser Leben zeitlich begrenzt ist, gewinnt meine bisherige Lebensphilosophie für mich an noch mehr Bedeutung.

Die wahre Lebenskunst besteht darin,

im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen.

(Pearl S. Buck)

Ein Kommentar


gut Leben heißt gut Sterben

L.Tolstoi

26. Oktober 2012 18:27

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