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Stella Wagner

Studentin
20

8. Juli 2012

_der Tausendfüßler

Plötzlich fällt er mir auf, er tappt nicht oder stampft,
er springt nicht oder stolpert herum, aber er ist in Bewegung.
Das erste was mir einfällt, als ich ihn sichte, ist wirklich nur Bewegung.
Mit seinen unzähligen Füßen, die sich irgendwie alle auf einmal bewegen, wuselt er über das Kopfsteinpflaster.
Er ist in heller Aufruhr, er ertastet jedes Detail des Steines, jede Krümmung, Kante, Rundung, aber er findet keinen Ausweg.
Er ist umzingelt von lauter Schuhen.
Doch dann läuft er auf die Reihe von Schuhpaaren zu, ich hoffe nur inständig, dass jetzt keiner dieser unzähligen Füße einen großen Tapser macht und ihn dann begräbt.
Die Füße stehen still, aber der Tausendfüßler hört nicht auf lebendig zu sein, sich einen Ausweg zu suchen.
Während dessen entdeckt er jetzt vor sich, anscheinend in Sichtweite, einen Schuh, welcher ihm bestimmt riesig erscheint, zumindest dreht er um und geht wieder zurück, dann versucht er es auf eine andere Weise, aber wieder ein Schuh und wieder dreht er um.
Die Bewegung bleibt, kein Verharren, aber ein Hindernis, lauter Hindernisse um ihn herum, die ihn einkreisen, die er nicht überwinden kann.

Er bewegt sich weiter, mitten in dem Schuhkreis, bis jetzt hat ihn noch kein Schuh zertrampelt, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es gleich passiert, ist ziemlich wahrscheinlich, denn kein Besitzer der Schuhe hat ihn bemerkt.
Ob er sich darüber bewusst ist, wie nahe er dem Tod ist und warum ist er trotzdem so lebendig? wie lange er wohl schon lebt? ein Tag? eine Woche? wie lange wird er noch leben? keine Ahnung….

Er wird das große Hindernis überwinden müssen, aber was wird bei dem überschreiten dieser Schwelle passieren?

wird es_schmerzhaft?_beängstigend?_erfüllend?

 

 

_Warum erzähle ich dir von einem Tausendfüßler?

_Was hat dies mit der Sache zu tun?

Es ist an einem Tag, des Workshopwochenendes, wir stehen alle um das Krankenbett einer schwerkranken Frau, die dem Tod sehr nahe ist.
Wir versammeln uns alle um sie, wir nehmen uns an den Händen und schließen einen Kreis um sie.
Wir schweigen und begleiten sie für einen Moment.
Und in dieser Schweigeminute, fällt mir der Tausendfüßler auf, in dem Moment wo sich scheinbar alle Bewegung entschleunigt, ist er voller Lebendigkeit, sucht nach einem Ausweg, aus unserem Kreis heraus, aber unsere Füße bewegen sich nicht, da jeder andächtig still steht.
Aber weshalb höre ich nicht einfach auf den Tausendfüßler zu beobachten, warum besinne ich mich nicht nur auf meine Gedanken?
Ich denke er trägt eine Botschaft mit sich…
Welche Botschaft ist das wohl? Ich denke jeder, der ihn in diesem Moment betrachtet, findet eine ganz eigene Botschaft.

 

 

_eine Botschaft

Ich denke, der Tausendfüßler trägt eine Botschaft mit sich, in seiner unerschöpften Bewegung und kämpferischen Lebendigkeit.
Sein ständiges Scheitern zeigt uns wie wenig Macht wir haben, wie wenig gegenüber unserem Leben, unserem Tod.
Es wird immer ein Hindernis hier auf Erden geben, welches uns zurück weist, uns scheitern lässt.
Aber trotzdem hören wir nicht auf zu versuchen alle Hindernisse zu überwinden, wir werden immer wieder kämpfen und dadurch Neue Wege schaffen.

Es ist vielleicht eine Botschaft, dass wir nicht das Leben beherrschen, aber für das Leben kämpfen dürfen, dass wir unfassbar lebendig sind, immer wieder Hindernisse überwinden müssen, um einen Ausweg in die Freiheit zu finden und immer an eine Schwelle kommen werden, wo wir keine Macht über das Leben im Hier und Jetzt besitzen.

Ein Kommentar


daher, der Tausendfüßler…! Danke, dass du diesen Gedanken mit uns geteilt hast!!

11. Juli 2012 22:02

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