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Jule Serway

Bestattungsfachkraft
22 Jahre

12. Juli 2012

Memento = Bedenkt

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich den Tod entlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr,
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

(Mascha Kaleko)

 

Es sind nun gut drei Wochen seit meinem Gespräch vergangen…
Als in in Düsseldorf auf der Palliativstation ankam war ich unglaublich nervös und aufgeregt.
Ich wusste nicht was genau auf mich zukommt. Oder besser gesagt WER.
So wartete ich… Zwischendurch hatte ich verschiedene Gespräche mit den Projektleitern und Schwestern.
Ich begegnete auch zwei Patienten und deren Angehörigen. Unwissentlich auch jenem Patient, mit dem ich später das Gespräch führen sollte.
Als es dann eigentlich Zeit war für mein Gespräch wurde mir mitgeteilt, dass es eine Veränderung gibt:
Der Zustand meines eigentlichen Gesprächspartners hatte sich verschlechtert, sodass das Gespräch mit ihm nicht stattfinden konnte.
Dafür erklärte sich seine Ehefrau bereit mit mir zu sprechen. Und dann war es auch schon so weit.
Ich traf eine Frau, die mich in den ersten Sekunden unserer Zusammentreffens sofort faszinierte. Eine Ehefrau und Mutter.
Eine Frau, voller Kraft, Stärke und Liebe zu ihrem sterbenskranken Mann und ihren beiden gemeinsamen Söhnen.
Eine Frau, die so unglaublich tapfer mit dem Schicksal ihres Mannes und so auch dem Schicksal ihrer Familie umging, dass es mich sprachlos machte.
Sie war so offen, so ehrlich und zwischendurch bemerkte ich ihren Schmerz und die Traurigkeit, die sich unter ihrer Kraft und offenen Art versteckten.
Wir redeten eine ganze Weile..
Wie war es, als sie die Diagnose bekamen? Wie ging es weiter? Was fühlt man, wenn man weiß, dass der Ehemann und Vater nicht mehr lange lebt? Haben sie sich auch schon Gedanken über die Beerdigung gemacht? Wie stellt sie sich vor, geht es nach dem Tod ihres Mannes weiter? ..
Und die Antworten die bekam lösten die verschiedensten Gefühle bei mir aus: Traurigkeit, Wut, Respekt, Ehrfurcht, Herzlichkeit, Verbundenheit aber vor allem Bewunderung. Bewunderung vor dieser Frau!!!

Ein paar Tage nach unserem Gespräch bekam ich eine Nachricht, dass ihr Mann nun friedlich in ihren Armen eingeschlafen ist.

Und seit diesem Tag, nein, seit unserem Gespräch denke ich immer wieder an das Erlebte mit ihr zurück und möchte mich auch auf diesem Weg noch einmal von ganzem Herzen für die Offenheit und das Vertrauen was mir entgegengebracht wurde bedanken! Das ist unbeschreiblich wertvoll und eine Erfahrung die ich wohl nie mehr in meinem Leben vergessen werde! Vielen Dank!

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