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Dennis Wilke

Studium der Soziologie und Kulturanthropologie
23

20. Juli 2012

Erwartungen. Aneignung.

Wie denkst du, wird die Begegnung verlaufen? Hast du Angst? Welche Erwartungen hast du an das Gespräch? Wie stellst du es dir vor? Was, wenn es gar nicht läuft? Vielleicht muss jemand weinen? Vielleicht ist es nach kurzer Zeit wieder vorbei?…

Ich hatte Angst. Angst davor, dass es nicht zu einem Gespräch kommen, dass wir schweigen und uns von der Fremdheit einnehmen lassen würden. Angst, dass die Situation und die Geschichte des Menschen, dem ich begegnen würde, mich zu sehr treffen könnten. Angst, dass sie mich überhaupt nicht treffen würden. Angst auch vor der Kamera, vor Inszenierung. Ich versuchte, diesen Ängsten mit Akzeptanz zu begegnen, sie zuzulassen und dadurch erst eine Auseinandersetzung mit ihnen zu ermöglichen. Ich war aufgeregt. Es war vollkommen okay.

Ich hatte einen Wunsch. Einen Wunsch, der natürlich auch eine Folge der beschriebenen Angst war: ein Gespräch. Ich wünschte mir, dass wir ein Gespräch führen würden. Dass wir es schaffen würden, keine der Asymmetrien, – des Alters, der momentanen Lebenssituation, der Erfahrung und des Wissens – die zwischen uns bestanden, und auch nicht die Fremdheit, zu einer Einschränkung unserer Begegnung werden zu lassen, sondern zu positiven Mitteln für einen Austausch. Kein Interview.

Doch der vielleicht schwierigste Gedanke im Voraus war mein Anliegen, der Person in erster Linie als Mensch zu begegnen, nicht als Sterbender. Selbstverständlich würde unsere Begegnung einen offensichtlichen thematischen Hintergrund haben, selbstverständlich würde ich vieles über den Umgang mit einer Krankheit und mit den Gedanken an das Sterben wissen wollen, über das Leben mit dem Tod, und selbstverständlich würden wir uns an einem Ort unterhalten, an dem die Vergänglichkeit Gegenwart hat. Doch wie traurig wäre es gewesen, wenn sich unsere Bezugspunkte darin erschöpfen würden? Bist du gereist in deinem Leben? Was isst du gerne? Was macht dich glücklich? Es war der Wunsch, einem Menschen das Wissen zu geben, dass er jetzt gerade, in diesen Minuten, in denen wir uns unterhalten, lebt.

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