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Stella Wagner

Studentin
20

13. August 2012

EIN SINN UND EINE BOTSCHAFT NAMENS HUMOR

Das Gespräch ist vorüber, ich sitze an einem kleinen Tisch im Wohnzimmer des Hospiz und vor mir stehen kleine Schokopralinen.
Ich beobachte die Pralinen, eine ist cremeweiß eine zartbitterbraun, bis Frau Schröer, unsere Begleiterin wieder an meinen Tisch kommt.
Sie erzählt, dass sie noch kurz mit dem Sterbenden Herr über unser Interview gesprochen hat und dann erzählt sie mir von der Botschaft des Patienten.

Im ersten Moment, fühle ich mich schlecht, da ich den Sterbenden nicht danach gefragt habe, aber dann verspüre ich das Bedürfnis ihn noch einmal danach zu Fragen, seine Botschaft zu hören und sie weiter zu tragen.
Als alle Mitglieder des Teams sich verabschieden, nehme ich die Pralinenschale von dem Tisch und begebe mich zu dem kleinen Raucherraum. Ich klopfe an und der Herr, mit dem ich vor ein paar Minuten über den Prozess des Sterbens gesprochen habe, bittet mich herein.
Es ist eine sehr besondere Stimmung, die Luft riecht nach Rauch und ist dicht, doch eine gewisse Schwerelosigkeit mischt sich unter.
Ich gebe dem Herren die Pralinen und er ist erfreut über die Kalorienbomben, wie er sie nennt.
Er ist erschöpft von dem langen Gespräch aber er scheint zufrieden.
Wir spaßen etwas über die Schokolade und dann muss ich ihn einfach noch einmal fragen.
Ich erzähle, dass mir Frau Schröer von seiner Botschaft erzählt hat und gestehe ihm, dass ich völlig vergessen habe im Interview danach zu fragen.
Und er wiederholt sie für mich, für uns.
,, Weist du meine Botschaft ist einfach, der Humor stirbt zuletzt ”
Was trägt diese Botschaft mit sich welche Kraft besitzt sie? Ich grüble in den nächsten Tagen und Wochen viel darüber nach, aber sobald ich die Botschaft zu theoretisch betrachte, verheddere ich mich nur in philosophischen Definitionen.
Ich muss die Botschaft also mit dem Leben verknüpfen, mit dem Spaß den wir haben, den Witzen die wir machen, der Komik die auftaucht.
Humor ist Lebendigkeit, eine Lösung von der Verkrampfung. Ich denke er hilft Distanz zu finden, er ermöglicht ein Gleichgewicht zwischen Trauer und Lebenslust.

Und warum sollen wir die Lebenslust im Prozess des Sterbens verlieren? ist es nicht die Kraft welche diese Schwerelosigkeit in den kleinen Raucherraum führte, die Situation ertragbar machte, sowie diese wunderbare Komik von Schokopralinen, Kalorienbomben, Zigaretten und das Gespräch über das Sterben.

Wenn ich zurück blicke, dann merke ich das der Sinn für Humor in unserem Gespräch mitgewirkt hat, wir sprachen viel über die schwingenden: ,,Jona-Singers”, den Gospelchor des Herrn und über die gelbe Zeichentrickfigur Tweety. Wir mussten lachen und schweigen und ernst sein, aber der Humor war zu spüren und er half uns das Gespräch weiter zu führen.

Im Moment glaube ich, das eine Kommunikation am Lebensende ohne Humor nicht lebendig ist und das sie, wenn der Humor stirbt, auch erlischt.

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