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Jan Schmitz

Auszubildender im Rettungsdienst, anschließend Studium der Humanmedizin
20 Jahre alt

5. November 2012

‘Du kannst jetzt aufhören!’

Die Vorbereitungen laufen, Kabel werden entrollt, Geräte angeschaltet. Von draußen höre ich Hektik, ein mechanisches Piepen nähert sich, um die Ecke sehe ich eine Vielzahl von Menschen um eine Trage stehen, gehen, angespannt. Umlagern. Da liegt er vor mir. Ein Mann mittleren Alters, blass. Die Haare blutverschmiert, klebend. Die Augen aufgerissen. Mein Blick wandert nach unten. Aufgeschnittene Kleidung, aufgeblähter Oberkörper. Blass. Ich bin überfordert, weiß nicht, was ich machen soll. Alles geht wie von selbst. Immer mehr Menschen betreten den Raum und fummeln an dem einen Menschen rum. Übergabe. Auto gegen Fahrradfahrer. ” Jan, du drückst jetzt!” Ich drücke, unzählige Male an einer Puppe ausprobiert und doch so anders. Ich drücke, lasse mich abwechseln, drücke weiter. Ich funktioniere als Teil der ganzen Maschinerie. Der Maschinerie, die inzwischen im Blut steht. Ich drücke weiter und weiter….  ”Jan, du kannst jetzt aufhören!” Ich höre auf. Ich starre den Mensch, der vor mir liegt, an. Im Hintergrund verschwinden die ganzen Menschen so schnell, wie sie erschienen sind. Ich gucke, kann es nicht so recht fassen. Da liegt ein Mensch, mit seiner ganzen Lebensgeschichte vor dir, im Hintergrund Menschen, die sich die Handschuhe ausziehen und den Raum verlassen. Ich starre, und der Moment wird immer surrealer. -Wer liegt da vor dir? Ein Mensch, was hat er erlebt in seinem Leben, war er zufrieden mit seinem Leben?Was ist nun? Ist es nur eine Hülle? Ist die Seele schon weg? Entweicht sie gerade? - Schichtende, ich verlasse das Krankenhaus, bin irgendwie verwirrt. Was ist da gerade eigentlich passiert? Am liebsten würde ich die bestehende Verabredung mit meinen Freunden absagen. Ich brauche Zeit um nachzudenken über das, was da gerade passiert ist. Da sitze ich in der üblichen Runde, im Hintergrund das pure Leben. Menschen, die sich gegen den Lärm der Musik miteinander unterhalten. Ich denke mir “meine Güte, liegen Leben und Tod nah beieinander. So schnell kann es gehen.”

-Irgendwie ist die Seele schon weggewesen, als der Mensch herein kam. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber ich hab es irgendwie gespürt.-

Ein Kommentar


Ich denke, jede Seele weiß, wann es Zeit ist, sich von der Materie zu trennen, um die Reise nach Hause schmerzlos anzutreten.
- Sie war wahrscheinlich bereits auf ihrer Heimreise.

14. November 2012 21:17

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