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20. Juli 2012 Dennis Wilke

Erwartungen. Aneignung.

Wie denkst du, wird die Begegnung verlaufen? Hast du Angst? Welche Erwartungen hast du an das Gespräch? Wie stellst du es dir vor? Was, wenn es gar nicht läuft? Vielleicht muss jemand weinen? Vielleicht ist es nach kurzer Zeit wieder vorbei?…

Ich hatte Angst. Angst davor, dass es nicht zu einem Gespräch kommen, dass wir schweigen und uns von der Fremdheit einnehmen lassen würden. Angst, dass die Situation und die Geschichte des Menschen, dem ich begegnen würde, mich zu sehr treffen könnten. Angst, dass sie mich überhaupt nicht treffen würden. Angst auch vor der Kamera, vor Inszenierung. Ich versuchte, diesen Ängsten mit Akzeptanz zu begegnen, sie zuzulassen und dadurch erst eine Auseinandersetzung mit ihnen zu ermöglichen. Ich war aufgeregt. Es war vollkommen okay.

Ich hatte einen Wunsch. Einen Wunsch, der natürlich auch eine Folge der beschriebenen Angst war: ein Gespräch. Ich wünschte mir, dass wir ein Gespräch führen würden. Dass wir es schaffen würden, keine der Asymmetrien, – des Alters, der momentanen Lebenssituation, der Erfahrung und des Wissens – die zwischen uns bestanden, und auch nicht die Fremdheit, zu einer Einschränkung unserer Begegnung werden zu lassen, sondern zu positiven Mitteln für einen Austausch. Kein Interview.

Doch der vielleicht schwierigste Gedanke im Voraus war mein Anliegen, der Person in erster Linie als Mensch zu begegnen, nicht als Sterbender. Selbstverständlich würde unsere Begegnung einen offensichtlichen thematischen Hintergrund haben, selbstverständlich würde ich vieles über den Umgang mit einer Krankheit und mit den Gedanken an das Sterben wissen wollen, über das Leben mit dem Tod, und selbstverständlich würden wir uns an einem Ort unterhalten, an dem die Vergänglichkeit Gegenwart hat. Doch wie traurig wäre es gewesen, wenn sich unsere Bezugspunkte darin erschöpfen würden? Bist du gereist in deinem Leben? Was isst du gerne? Was macht dich glücklich? Es war der Wunsch, einem Menschen das Wissen zu geben, dass er jetzt gerade, in diesen Minuten, in denen wir uns unterhalten, lebt.

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18. Juli 2012 Judith Mattern

rot – orange – gelb – grün – hellblau – blau – lila

Wenn wir daran glauben, dass am Ende des Regenbogens eine vollkommene Welt voller Farben und Licht auf uns wartet, gibt es keinen Grund, Angst vor dem Gang bis zur anderen Seite zu haben.

- Stattdessen sollten wir ein riesiges Tuch mitbringen, in dem wir alles wundervolle auf immer für uns aufnehmen können.

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15. Juli 2012 Sabrina Niehenke

Vorab

Morgen werde ich nun also auf meinen Gesprächpartner oder meine Gesprächspartnerin treffen – einen Menschen mit einer lebensbegrenzenden Krankheit.
Den ganzen Tag schon frage ich mich:

Was erwartet mich?
Welche Geschichte hat dieser Mensch zu erzählen?
Was möchte ich fragen?
Habe ich Angst?
Wie werde ich danach denken? Werden meine persönlichen Überzeugungen der Konfrontation mit der Realität standhalten?

 

Durch das Studium bin ich es gewohnt, rational zu denken, wissenschaftlich zu arbeiten und die Fakten zu betrachten. Ist es vielleicht sogar gut, wenn ich verhältnismäßig nüchtern an die Sache herangehe und die Fakten betrachte?

Ich habe versucht mich auf das Gespräch vorzubereiten. Was sage ich zu Beginn? Wie verabschiede ich mich? Was möchte ich wissen? Ich habe gefühlte 100 Szenarien aufgebaut und wieder verworfen und beschlossen, dass es nicht planbar ist, was morgen passiert.

John Lennon hat einmal gesagt: “Life is whats happen to you while you’re busy making other plans.” Ich habe beschlossen, nichts zu planen. Ich wage den freien Fall, den Schuss ins Blaue. Ich habe auch keinen Plan B. Ich habe meinen Zugfahrplan, mehr nicht.

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12. Juli 2012 Jule Serway

Memento = Bedenkt

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Allein im Nebel tast ich den Tod entlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.

Der weiß es wohl, dem Gleiches widerfuhr,
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt den eigenen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.

(Mascha Kaleko)

 

Es sind nun gut drei Wochen seit meinem Gespräch vergangen…
Als in in Düsseldorf auf der Palliativstation ankam war ich unglaublich nervös und aufgeregt.
Ich wusste nicht was genau auf mich zukommt. Oder besser gesagt WER.
So wartete ich… Zwischendurch hatte ich verschiedene Gespräche mit den Projektleitern und Schwestern.
Ich begegnete auch zwei Patienten und deren Angehörigen. Unwissentlich auch jenem Patient, mit dem ich später das Gespräch führen sollte.
Als es dann eigentlich Zeit war für mein Gespräch wurde mir mitgeteilt, dass es eine Veränderung gibt:
Der Zustand meines eigentlichen Gesprächspartners hatte sich verschlechtert, sodass das Gespräch mit ihm nicht stattfinden konnte.
Dafür erklärte sich seine Ehefrau bereit mit mir zu sprechen. Und dann war es auch schon so weit.
Ich traf eine Frau, die mich in den ersten Sekunden unserer Zusammentreffens sofort faszinierte. Eine Ehefrau und Mutter.
Eine Frau, voller Kraft, Stärke und Liebe zu ihrem sterbenskranken Mann und ihren beiden gemeinsamen Söhnen.
Eine Frau, die so unglaublich tapfer mit dem Schicksal ihres Mannes und so auch dem Schicksal ihrer Familie umging, dass es mich sprachlos machte.
Sie war so offen, so ehrlich und zwischendurch bemerkte ich ihren Schmerz und die Traurigkeit, die sich unter ihrer Kraft und offenen Art versteckten.
Wir redeten eine ganze Weile..
Wie war es, als sie die Diagnose bekamen? Wie ging es weiter? Was fühlt man, wenn man weiß, dass der Ehemann und Vater nicht mehr lange lebt? Haben sie sich auch schon Gedanken über die Beerdigung gemacht? Wie stellt sie sich vor, geht es nach dem Tod ihres Mannes weiter? ..
Und die Antworten die bekam lösten die verschiedensten Gefühle bei mir aus: Traurigkeit, Wut, Respekt, Ehrfurcht, Herzlichkeit, Verbundenheit aber vor allem Bewunderung. Bewunderung vor dieser Frau!!!

Ein paar Tage nach unserem Gespräch bekam ich eine Nachricht, dass ihr Mann nun friedlich in ihren Armen eingeschlafen ist.

Und seit diesem Tag, nein, seit unserem Gespräch denke ich immer wieder an das Erlebte mit ihr zurück und möchte mich auch auf diesem Weg noch einmal von ganzem Herzen für die Offenheit und das Vertrauen was mir entgegengebracht wurde bedanken! Das ist unbeschreiblich wertvoll und eine Erfahrung die ich wohl nie mehr in meinem Leben vergessen werde! Vielen Dank!

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9. Juli 2012 Ines-Madlen Bürger

Entsetzung!

Hallo ihr Lieben anderen ;)

Gerade habe ich vom WDR- Interview die Kommentare gelesen und ich habe mich wirklich sehr erschrocken wie manche Menschen darüber denken. Eine Frau schrieb zum Beispiel, dass es ihr ein Rätsel sei, warum 16 Jährige an diesem Projekt teilnehmen, da es mich direkt betrifft hatte es mich natürlich sehr getroffen denn ich frage mich:

“Hat das sterben eine Altersbegrenzung oder warum dürfen sich 16 Jährige Jugendliche nicht mit diesem Thema auseinandersetzen?”

Jeder von uns hat seine ganz Persönliche Geschichte, warum er an diesem Projekt teilnimmt und ich hatte eben mein eigenes Krankheitsbild als Grund denn ich begegnete dem Tode auch schon nur das ich ihn überwinden konnte und Leben durfte! Und ich denke das ist Grund genug sich mit dem Thema auseinander zu setzen denn wenn man selbst schon einmal in dieser Lage war und sie überwinden konnte, dann interessiert es einen umso mehr es aus der Sicht eines anderen zu sehen, der sterben wird 

Auch fielen Kommentare wie : ” Palliativstation= Sterbehilfe! “ da denke ich fehlt es den Leuten einfach noch an Informationen… und das ist doch auch ein Punkt warum wir dieses Projekt in Erwägung ziehen und uns mit der Palliativmedizin auseinander setzen.. 

Mit ” Pressegeil” hat das Projekt nichts zutun, doch manche Menschen interpretieren es so was ich sehr schade finde, denn gerade wenn ich diese Aussagen höre merke ich, dass man darüber noch viel mehr berichten müsste

Es würde mich freuen wenn ihr mir eure Meinungen dazu schildern würdet 

Es Grüßt euch herzlich

Ines-Madlen Bürger 

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